Kunsthistorikerin

Susanne D., 44, aus Essen

Bitte nennen Sie uns Ihren Beruf:
Professorin für Kunst- und Designgeschichte an einer Fachhochschule

Bitte skizzieren Sie uns einen Ihrer typischen Arbeitsalltage:
An den Tagen, die ich an der Hochschule verbringe, geht es sehr abwechslungsreich zu: Ich halte Seminare ab, berate Studierende inner- und außerhalb der Sprechstunde, habe Besprechungen mit KollegInnen, gehe in Gremiensitzungen der Hochschule usw.
An den Arbeitstagen zuhause (auch am Wochenende!) bereite ich die Seminare vor und nach, recherchiere für und schreibe an wissenschaftlichen Texten, treffe mich mit Fachleuten aus anderen Bereichen, um über gemeinsame Projekte zu sprechen usw.

Schildern Sie uns die wichtigsten Anforderungen.
Was muss man grundsätzlich können?
· Texte und Bilder analysieren und interpretieren können
· Fremdsprachen (englisch, französisch, spanisch o. a.)
· eigeninitiativ arbeiten können

Was für ein Mensch muss man für diesen Beruf sein?
NEVER STOP DOING WHAT YOU LOVE.
NEVER STOP LOVING WHAT YOU DO.

Welche fachlichen, aber auch sozialen Anforderungen werden dafür gebraucht?
Man braucht ein Hochschulstudium in einem geistes- oder kulturwissenschaftlichen Fach (auch in Kombination mit BWL o. ä.), die Promotion ist unabdingbar. Man muss einschlägige Publikationen haben, an Projekten beteiligt sein, Netzwerke bilden (möglichst international) und pädagogisch-didaktisch geeignet sein (möglichst Lehr-Erfahrung). Man muss neugierig und aufgeschlossen sein und zwar sowohl den Entwicklungen in Kunst und Design gegenüber als auch den Menschen, die man unterrichtet.
Ein hohes Maß an Selbstmotivation und Ausdauer sowie ein sehr gutes Zeitmanagement sind wichtig. Fähigkeit in Rhetorik und Präsentation.

Was reizt Sie besonders an Ihrem Job?
Die Möglichkeit, sich immer wieder mit neuen Themen und Menschen auseinandersetzen zu können, die freie Zeiteinteilung, keine Trennung von Beruf und Freizeit.

Was ist schwierig und nervt vielleicht manchmal?
· Die freie Zeiteinteilung, denn so etwas wie einen richtigen Feierabend gibt es nicht
· Viele hochschulpolitische Vorgaben, die man nicht für sinnvoll erachtet und dennoch umsetzen muss

Was war bisher Ihre größte Herausforderung?
Mich in einer über 10jährigen Phase sowohl wissenschaftlich zu qualifizieren (Promotion, Habilitation, Projekte) als auch eine Familie zu gründen.

Bitte beschreiben Sie uns kurz Ihren persönlichen Werdegang.
Wie sind Sie auf Ihren Beruf gekommen?
Das große Interesse an Kunst und Literatur, das ich bereits als Schülerin hatte, wurde verstärkt durch diverse Praktika in verschiedenen Kultureinrichtungen während des Studiums. Die Hochschullaufbahn habe ich allerdings nicht gezielt eingeschlagen, sondern es ergab sich nach und nach.

Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Die Arbeit an der Hochschule bietet z.B. stärker als die Arbeit im Museum beides: Lehre und Forschung. Die abwechslungsreiche Arbeit bei relativ freier Zeiteinteilung ist sehr attraktiv.

Was sind die nächsten geplanten Karriereschritte?
Im Moment noch nichts. Möglich wäre es aber z.B., eine Funktionsstelle innerhalb der Hochschule einzunehmen (Dekan etc.).

Was würden Sie jungen Menschen in Hinblick auf Praktika, Ausbildung,
Studium sowie weitere Qualifikationen empfehlen?
Einerseits möglichst viel in den Bereichen zu machen, die für den angestrebten Beruf unmittelbar wichtig sind. Andererseits aber auch Nebenund Umwege zulassen! Man weiß nie, wohin einen das Leben noch führt.
Zufall und Glück spielen ebenfalls eine große Rolle. Wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, kann man die Chance, die sich bietet - mit etwas Glück und gut beratenden Freunden - auch erkennen.

Welche Chancen bietet Ihr Beruf in Zukunft?
Welche Herausforderungen oder Veränderungen sind zu erwarten?
Aktuell werden sehr viele neue Studiengänge eingerichtet (Bildungspakt), die neue Professorenstellen erfordern. Die Internationalität wird zunehmen (Bologna-Prozess, Globalisierung). Prognosen sind dennoch schwer zu treffen, da die Bildungspolitik (und damit die finanzielle Ausstattung der Hochschulen) immer auch starken Schwankungen unterliegt.

 
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