Johanna V., 33, München Bitte nennen Sie uns Ihren Beruf: Ich bin Referentin für Public Relations bei einem Fernsehanbieter. Zusätzlich bin ich die „Schnittstelle“ zum Marketing und arbeite in enger Kooperation zu dieser Abteilung.
Bitte skizzieren Sie uns einen Ihrer typischen Arbeitsalltage: Mein Arbeitstag beginnt mit dem Mediencheck: Ich verschaffe mir als erstes Zugang im Internet. Später lese ich die wichtigsten Inhalte des Pressespiegels. Da meine Tage im Büro zum Glück stark variieren, schildere ich lieber die immer wiederkehrenden Arbeitsbereiche im Rahmen der klassischen Pressearbeit: • Verfassen von Pressemitteilungen • Zusammenstellen von Pressematerialien wie Pressemappen und digitalisierten Bild- und Text-Unterlagen • Evaluation: Medienbeobachtung, Medienresonanzanalyse • Pflege der Journalistenkontakte • Organisation und Durchführung von Presseterminen • Kommunikation mit Fachverlagen, Tagespresse und Online-Medien • Pflege und Ausbau des Journalistenstamms • Verteilererstellung und -pflege • Recherchen • Erarbeitung von Konzepten (z.B. Themenplanung) Hinzu kommt das Mitwirken bei den eigenen Internetportalen, indem ich redaktionellen Content dafür erstelle. Außerdem unterstützen ich beim Weiterentwickeln der internen und externen Kommunikationsstrategie. Schildern Sie uns die wichtigsten Anforderungen. Was muss man grundsätzlich können? Es ist von zentraler Bedeutung, ein eigenes Netzwerk zu haben, weiter auszubauen und permanent zu pflegen. Dessen Qualität entscheidet maßgeblich über das effiziente Erreichen der eigenen Ziele. Wichtig sind sehr gute Fähigkeiten im Texten und im Ausdrucksvermögen in der professionellen, persönlichen Begegnung. (Weiteres vgl. Punkt 3.3.) Was für ein Mensch muss man für diesen Beruf sein? Wichtig ist, dass man sehr selbstverständlich, offen und authentisch im Umgang mit Menschen ist. Kontaktfreude zu haben und auszustrahlen ist ein ganz zentraler Punkt. Und großartig ist, wenn man von humorvoll bis geistreich die Klaviatur des Smalltalks beherrscht und gleichzeitig immer den ernsthaften Boden des Business und des professionellen Interesses behält. Ich persönlich halte es für eine besonders schöne und im zwischenmenschlichen Kontakt wichtige Eigenschaft, Zwischentöne im Dialog in sekundenschnelle zu erfassen und blitzschnell zu erkennen, welche Interessen mein Gegenüber hat. Das Ziel ist herauszufinden, wie man gemeinsam zu einer Win-Win-Situation kommt, zum Beispiel im Journalistengespräch. Welche fachlichen, aber auch sozialen Anforderungen werden dafür gebraucht? • Sinnvoll ist ein Betriebswirtschaftliches Studium, je nach Ausrichtung des Unternehmens aber auch ein geistes- oder naturwissenschaftliches • Die mehrjährige Berufserfahrung im PR-Bereich in einem (auch gerne internationalen) Beratungsunternehmen ist von großem Vorteil • Sicheres, verbindliches Auftreten und Überzeugungskraft • Selbständigkeit, Verantwortungsbewusstsein • Team- und Lösungsorientierung • unerlässlich sind natürlich sehr gute MS-Office- und Englisch-Kenntnisse Was reizt Sie besonders an Ihrem Job? Die Vielfalt und der Abwechselungsreichtum der Aufgaben: die Schnelligkeit, in der gearbeitet wird, die Kontaktdichte, die wichtig ist, die Kontaktvielfalt, die ich gerne habe und das Texten und die dafür notwendige grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem Unternehmen sowie seiner jeweils aktuellen Situation. Was ist schwierig und nervt vielleicht manchmal? Ein Nachteil an diesem Beruf ist es, dass man, auch wenn man sehr viel arbeitet, am Ende des Tages oft das Gefühl hat, ich hätte noch mehr Journalisten kontaktieren können, noch mehr Mails verschicken können, noch weitere Texte verfassen können etc. Das Spektrum der to-does ist so groß und umfangreich, dass eine gewisse Unruhe dauerpräsent ist. Leider sinken die Honorare. Was war bisher Ihre größte Herausforderung? Meine größte berufliche Herausforderung war die Fusionskommunikation zweier Unternehmen mit zu konzipieren und umzusetzen. Es handelte sich um eine bundesweite Pressekampagne. Sie wurde begleitet von Marketing-Aktivitäten, die durch die Republik rollierten und insgesamt eine enorme Aufmerksamkeit generierten. Das Resultat: Die Berichterstattung in den Medien war dicht und flächendeckend präsent. Bitte beschreiben Sie uns kurz Ihren persönlichen Werdegang. Nach dem Abitur habe ich eine Buchhändlerlehre absolviert. Anschließend studierte ich Medien- und Kommunikationswirtschaft an der Berufsakademie in Ravensburg, das heißt Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Medien. Dieses duale Studium begleitete der Praxisteil in einem Verlag in Süddeutschland. Meine Diplomarbeit schrieb ich über Online-PR für diesen Verlag. Nachdem ich für einige Zeit dort weiter arbeitete, ging ich anschließend zum Fernsehen, um dort im Bereich Unternehmenskommunikation zu arbeiten. Wie sind Sie auf Ihren Beruf gekommen? Ich hörte zu Beginn meines Studiums einer Grande Dame der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eines großen Deutschen Verlages bei einem Vortrag in kleinem persönlichem Rahmen zu und hatte die Erleuchtung! Warum haben Sie sich dafür entschieden? Weil ich das Gefühl hatte, dass mir der Beruf immer leicht fallen würde und ich mich für meine Erfolge nicht grundsätzlich anstrengen müsste. Genau so ist es dann auch gekommen. Was sind die nächsten geplanten Karriereschritte? Ich würde gerne Pressesprecherin eines Mittelständischen Unternehmens werden. Was würden Sie jungen Menschen in Hinblick auf Praktika, Ausbildung und Studium empfehlen? Studieren Sie das Fach, was Sie WIRKLICH interessiert und gehen Sie dann in die entsprechende Branche, um auf diesen Kenntnissen aufbauend PR zu machen. Tummeln Sie sich so viel es geht im Netz, Social Media ist so wichtig. Richten Sie Ihre Praktika auf große, internationale Agenturen und exzellente Pressabteilungen aus. Immer von den Besten lernen!! Der Vorteil an dem dualen Studiengang an der Berufsakademie für dieses Berufsfeld ist, dass man als Student/-in und Berufseinsteiger/-in bereits sehr wertvolle Kontakte in den Medienunternehmen hat, deren Qualität man hervorragend einschätzen kann. Welche Chancen bietet Ihr Beruf in Zukunft? Welche Herausforderungen oder Veränderungen sind zu erwarten? Durch die Dominanz des Internet ist der Grad der Kommunikationsdichte und –tiefe für unsere Generation enorm gestiegen. Das bedeutet Gleiches für die Kommunikationsbranche und dazu zählt Unternehmenskommunikation. Im Bereich Social Media fit werden und dran bleiben. Herzlichen Dank für das Gespräch.
|