Georg B., 44, aus München Branche: Energie / Energieversorger Bitte nennen Sie uns Ihren Beruf: Ich leite den Bereich Personalcontrolling und Organisation. Die Schwerpunkte meiner Arbeit sind dabei zum einen alle Zahlen Daten und Fakten rund um das Personal des gesamten Unternehmens. Zum anderen beschäftige ich mich mit den Strukturen und Prozessen des Unternehmens. Das heißt: Wie muss das Unternehmen aufgebaut sein, damit die Mitarbeiter ihre Aufgaben bestmöglich erfüllen können und welche Regelungen müssen dafür getroffen werden.
Bitte skizzieren Sie uns einen Ihrer typischen Arbeitsalltage: Das Schöne an meinem Beruf ist, dass es typische Arbeitstage eigentlich gar nicht gibt. Allein durch die beiden unterschiedlichen Arbeitsgebiete wechseln die Aufgaben ständig. Im Personalcontrolling sind typische Aufgaben zum Beispiel die Erstellung einer Mittelfristplanung für den Personalbestand des Unternehmens. Bei einer Mittelfristplanung des Personals versuchen mein Team und ich auf Basis der erwarteten Geschäftsentwicklung möglichst genau zu planen, wie viele Mitarbeiter in den nächsten drei Jahren notwendig sein werden, um unser Geschäft zu betreiben. Dies ist von vielen Faktoren abhängig. Am wichtigsten ist natürlich die Einschätzung, wie sich der Markt für unser Geschäft entwickeln wird, dazu sind meine Mitarbeiter und ich mit anderen Bereichen des Unternehmens in enger Abstimmung. Deswegen finden auch täglich meist mehrere Besprechungen statt. Natürlich wird heute auch im Beruf viel über e-mails kommuniziert, das kann dann schon mal eine Menge Zeit in Anspruch nehmen. Schildern Sie uns die wichtigsten Anforderungen: Was muss man grundsätzlich können? Das wichtigste ist eine Affinität zu Zahlen und ein gutes Verständnis für die Abläufe in einem Unternehmen. Basis sollte ein Studium sein, welches das logische Denken lehrt. Unerlässlich ist, dass man die Aufgaben, die Struktur und das Marktumfeld des Unternehmens sehr gut kennt, denn nur dann kann man die Strukturen optimal darauf ausrichten. Was für ein Mensch muss man für diesen Beruf sein? Wesentlicher Erfolgsfaktor ist Stehvermögen und Ausdauer, denn Veränderungen in den Abläufen dauern, gerade in großen Unternehmen, oft sehr lange. Außerdem muss man einen Sinn für das Machbare entwickeln. In der Theorie sind optimale Strukturen schnell entwickelt, oft gibt es aber genau dagegen in der Praxis große Widerstände. Dann müssen meine Mitarbeiter und ich viel Überzeugungsarbeit leisten, um die betroffnen Menschen mitzunehmen und zu gewinnen Welche fachlichen, aber auch sozialen Anforderungen werden dafür gebraucht? Wie schon erwähnt ist ein Studium, in dem man logisches Denken und den Umgang mit Zahlen lernt, die Basis. Das Wissen über Unternehmensstrukturen und Prozesse kann man aber nur durch langjährige Praxis erwerben. Neben dem technischen Wissen und der Fähigkeit Workshops zu moderieren braucht man großes Fingerspitzengefühl für den Umgang mit Menschen. Das ist auch offensichtlich, wenn man sich klar macht, dass es bei jeder Strukturveränderung in einem Unternehmen Menschen betroffen sind. Was reizt Sie besonders an Ihrem Job? Die Vielfalt der Aufgaben, die Möglichkeit mit allen Bereichen eines Unternehmens zusammenzuarbeiten und der intensive Austausch mit Menschen. Was ist schwierig und nervt vielleicht manchmal? Dass große Organisationen oft ein sehr starkes Beharrungsvermögen haben und Veränderungen oft erst dann angegangen werden, wenn das Kind schon fast in den Brunnen gefallen ist. Was war bisher Ihre größte Herausforderung? Entwickeln und Einführen eines Systems zur strategischen Personalplanung. Dabei geht es darum zu versuchen, zehn Jahre in die Zukunft zu schauen und zu überlegen, welches Personal dann nötig sein wird, um als Unternehmen wettbewerbsfähig zu sein. Zum Beispiel müssen bestimmte Schlüsselfunktionen dafür schon heute mit jungen Mitarbeitern besetzt werden, die dann langfristig für Spezialaufgaben qualifiziert werden. Bitte beschreiben Sie uns kurz Ihren persönlichen Werdegang. Wie sind Sie auf Ihren Beruf gekommen? Mir war immer wichtig ein möglichst breites Verständnis für die Unternehmen zu haben, in denen ich gearbeitet habe. Mein Ingenieursstudium war mir da zu einseitig, deswegen habe ich nach meinem Studium die ersten Berufsstationen so gewählt, dass ich die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse in der Praxis ergänzen konnte. Warum haben Sie sich dafür entschieden? Die umfassende Übersicht und Kenntnis darüber, wie ein Unternehmen „tickt“, finde ich immer wieder aufs Neue spannend und anregend. Was sind die nächsten geplanten Karriereschritte? Mit meiner breiten Basis würde ich gerne in die Geschäftsführung eines mittelgroßen Unternehmens gehen: Hier sind zum einen die Prozesse und Abläufe sowie eine möglichst genaue Planung der Anzahl der Mitarbeiter wichtig, trotzdem sind diese Unternehmen noch schnell und flexibel, wenn es darum geht Veränderungen nachhaltig umzusetzen. Was würden Sie jungen Menschen in Hinblick auf Praktika, Ausbildung und Studium empfehlen? Immer offen sein für Neues, Praktika in den Organisationsbereichen von großen Unternehmen, Auslandsaufenthalte denn dort werden Dinge oft ganz anders aber nicht unbedingt schlechter gemacht als bei uns. Aber durchaus auch ein Praktikum in produzierenden Bereichen von Unternehmen, denn hier wurde Prozessmanagement erfunden und die Ergebnisse von Veränderungen können unmittelbar erlebt werden. Welche Chancen bietet Ihr Beruf in Zukunft? Welche Herausforderungen oder Veränderungen sind zu erwarten? Die Demographische Entwicklung stellt für alle Unternehmen eine große Herausforderung dar. Deshalb wird es immer wichtiger, die Belegschaft eines Unternehmens langfristig auf den Wandel in der Gesellschaft auszurichten. Das heißt, die Unternehmen müssen sich heute schon darüber Gedanken machen, welche Mitarbeiter sie in fünf bis zehn Jahren benötigen werden. Wir danken für das Gespräch.
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