Produktmanagerin Consumer

Annette B., 39 J., aus Hamburg


Bitte nennen Sie uns Ihren Beruf:
Internationaler Produktmanager Consumer bei einem Markenartikelunternehmen. In dieser Funktion bin ich für die Durchführung eines Produktlaunchprojektes von der Produktentwicklung, -bewertung, -bereitstellung bis hin zur Vermarktung verantwortlich.

Bitte skizzieren Sie uns einen Ihrer typischen Arbeitsalltage:
Es ist sehr schwer einen typischen Arbeitstag zu beschreiben, denn es kommt darauf an, an welchen Punkt man mit seinem Projekt steht.
Phasen eines Produktlaunches:
  • Ideenentwicklung
    Man beschäftigt sich mit Markenstellung, Trendstudien, Marktforschungen. Man führt mit dem entsprechenden Kollegen (Innovationsmanager) Innovationsworkshops durch.
  • Ideenbewertung
    Man prüft, ob die Idee zur Marke passt, ob im Markt der Bedarf für das Produkt besteht. Man führt kleine Vorab Markforschungen durch in Zusammenarbeit mit Marktforschungsagenturen. Man prüft die Umsetzbarkeit der Idee. Kann das Unternehmen ein solches Produkt entwickeln? Kann / Soll man es zukaufen? Kann man das Produkt zu einem Preis herstellen und verkaufen, zu dem genügend Marge für das Unternehmen bleibt. Hier arbeitet man eng mit den Kollegen aus der Forschung und Entwicklung, Einkauf und Controlling zusammen. Wie sieht die Wettbewerbssituation aus. Man erstellt Marktstudien, bespricht mit den Ländervertretern die Marktsituation oder reist in die Länder.
  • In einem weiteren Schritt wird über Marktforschung geprüft wie der Endverbraucher zu der Produktidee steht. Hier erarbeitet der PM mit der Marktforschungsagentur den Fragebogen und lässt die Ergebnisse in das Produktkonzept einfließen.
  • Man bespricht die Idee / das Vorabkonzept in internationalen Expert Teams mit den Marketing Vertretern der Länder und versucht hier einen Bedarf zu ermitteln.
  • Man stellt einen Vorab Businessplan für 5 Jahre auf mit geschätzten Mengen und Preisen.
  • Produktbereitstellung
    Passt die Idee zur Marke, ist sie umsetzbar, gewinnbringend und das Konzept überzeugend, muss man intern auf unterschiedlichen Ebenen das Konzept präsentieren und genehmigen lassen.
  • Ein Projektteam zur Umsetzung wird gegründet. In diesem Team sind vertreten: Produktentwicklung, Controlling, Supply Chain, Internationales Trademarketing, Einkauf, Verpackungsentwicklung und das internationale Marketing (internationler Produktmanager, der die Projektleitung inne hat).
  • Der internationale Produktmanager stellt einen Zeit und Aufgabenplan mit dem Team zusammen. In regelmäßigen Meetings werden die einzelnen Punkte des Plans besprochen. Der Produktmanager ist verantwortlich für den Ablauf und das nachhalten der einzelnen Entwicklungspunkte. Er berichtet regelmäßig an die Geschäftsleitung über den Stand des Projektes. Er Ist verantwortlich für den reibungslosen Ablauf bzw. für das frühzeitig aufdecken von eventuellen Problemfeldern.
  • Konkrete Aufgabe des Produktmanagers in der Produktbereitstellungsphase ist die Festlegung der Eigenschaften und des Designs des Produktes. Hier arbeitet er mit der Produktdesignagentur zusammen und mit der F+E bzw. Einkauf/ Lieferanten. Die Verpackungsgestaltung wird vom PM mit einer weiteren Agentur bearbeitet. Hier arbeitet er mit einer Verpackungsagentur zusammen. Außerdem muss er die Formalien eines Großunternehmens bearbeiten (Anträge von Artikelnum mern, Projektanträge zu verschiedenen Phasen, Erstellung eines Marketingkonzeptes mit Produkt, Preis, Placement, Promotion)
  • Außerdem wird der endgültige Businessplan mit Mengen, Margen und Kostenberechnung vom PM erstellt.
  • Vermarktung
    Der Produktmanager legt in einer letzten Phase die Eckdaten für ein Kommunikationskonzept fest. Hier enthalten die Zielgruppe, Vertriebskanal und die grundsätzliche Richtung der Kommunikation . Er erarbeitet mit dem internationalen Trademarketing ein Key-Visual und die Verkaufsargumente für das Produkt einmal gegenüber dem Handelspartner und zum zweiten gegenüber dem Endverbraucher.

"Das ist die Short Version  - ich habe bestimmt etwas vergessen, aber ich denke man kann sich so in etwas ein Bild machen..."

Also, der typische Arbeitstag:
Die Aufgaben des Produktmanagers sind sehr vielfältig und hängen von der jeweiligen Projektphase ab. Grundsätzlich startet man mit dem checken der E-mails in den Tag. Hier sind Fragen der Marketingverantwortlichen in den Tochtergesellschaften zu beantworten (englisch) oder auch von den Projektmitgliedern des Produktlaunches, bzw. der Agenturen.
Man arbeitet mit den jeweiligen Agenturen zusammen: Marktforschung, Produktdesign, Packungsgestaltung, Vermarktung (Handel / Endverbraucher), PR ...
Oder hat Meetings mit den angrenzenden Abteilungen: Controlling, Einkauf, Supply Chain, Produkt - Entwicklung, internationales Trademarketing, nationales Marketing, Rechtsabteilung, PR, Messe
Oder man bereitet Präsentationen vor, man erstellt Businesspläne, arbeitet an Projektplänen, erstellt die vorgeschriebenen Dokumente für den Produktlaunch für die Geschäftsleitung
Oder man geht in Meetings um das Projekt / den Projektstand vorzustellen: internationale Expert Team Meetings, Management Meeting, Marketing und Sales Meetings.

Schildern Sie uns bitte die wichtigsten Anforderungen. 
Was für ein Mensch muss man für diesen Beruf sein?

In erster Linie muss man kommunikativ sein und mit den unterschiedlichsten Menschen zusammenarbeiten können. Um Businesspläne erstellen zu können, sollte man keine Scheu vor Zahlen, Exceltabellen haben. Man sollte in der Lage sein, langfristige Pläne aufstellen und nachhalten zu können (Projektmanagement). Kreativität ist  bei der Entwicklung der Vermarktungsaktivitäten gefordert. Zudem sollte man selbstbewusst, freundlich, durchsetzungsfähig und konfliktfähig sein.

Was reizt Sie besonders an Ihrem Job?
Die Vielfältigkeit, die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Nationalitäten der Tochtergesellschaften und den vielen unterschiedlichen Menschen. die Dynamik der Projekte. Am Schluss das Produkt im Handel zu sehen... und alle Schritte, alle ups and downs zu kennen, die dazu gehörten, das Produkt draußen zu sehen. Die Möglichkeit der Gestaltung + Einflussnahme in das Projekt.

Was ist schwierig und nervt vielleicht manchmal?
Langwierige Prozesse in Großunternehmen, Bürokratische Erstellung von Unterlagen zu Entscheidungsfindung, Viele (zum Teil unnötige) Meetings, Politik und Machtkämpfe im Unternehmen.

Was war bisher Ihre größte Herausforderung?
Ein Produktlaunch in einer für tesa völlig neuen Produktkategorie. Dafür Aufbau eines neuen Lieferanten in Holland. Begleitung des Produktlaunches als Projektleiter nach erst einem Jahr bei tesa (als Junior PM). Der Produktlaunch stand im Focus für tesa Consumer und die reibungslose Durchführung war demnach sehr wichtig. In dieser Zeit verließen 2 meiner Vorgesetzte das Unternehmen und ich musste relativ führungslos (und erfahrungslos) das Projekt umsetzen.

Bitte beschreiben Sie uns kurz Ihren persönlichen Werdegang:
Ausbildung:
Abitur (Leistungsfächer Französisch, Mathematik)
Au Pair Aufenthalt USA (ein Jahr)
Grundstudium VWL (Universität Heidelberg)
Auslandssemester Paris (6 Monate)
Hauptstudium VWL mit Wahlfach Marketing (Universität Köln)

Beruf:
PR Agentur (1 1/2  Jahre)
internationales Marketing, Markenartikelunternehmen (4 1/2 Jahre)
nationales Marketing Deutschland, gleiches Markenartikelunternehmen (1Jahr + 3 Monate)
internationales Trademarketing, gleiches Markenartikelunternehmen(1 Jahr + 3 Monate)

nächste Schritte:
Vertrieb: nationaler oder internationaler Key Account Manager

Warum dieser Beruf?
Ich wollte immer international arbeiten und viel mit Menschen zu tun haben. Ich sah meine Stärken in Kommunikation und Organisation.

Was würden Sie jungen Menschen in Hinblick auf Praktika, Ausbildung und Studium empfehlen?
Grundsätzlich sind Praktika immer gut, um einen Einblick in Berufe zu erhalten und vielleicht sogar einen Berufseinstieg zu ermöglichen. Außerdem rate ich, die vielen Angebote vor allem von Fachhochschulen zu nutzen, die duale Studiengänge in 2 (oder mehr) Länder anbieten. Bekannt sind hier Reutlingen und Münster (FH), oder die EAP Berlin, die man nach dem Hochschulgrundstudium der Wirtschaftswissenschaften besucht. Die EAP bietet die Ausbildung in 3 Ländern an.

Welche Chancen bietet Ihr Beruf in Zukunft?
Ich denke Marketing ist eine universelle Ausbildung, die vielfältig eingesetzt werden kann in großen und kleinen Unternehmen. Außerdem ist es eine gute Ausbildung, um auch einmal selbstständig etwas auf die Beine zu stellen. (Ein kleines eigenes Unternehmen?)

Welche Herausforderungen oder Veränderungen wird der Beruf in Zukunft mit sich bringen?
Grundsätzlich glaube ich, dass der Beruf sehr gefragt ist und bleibt. Die Konkurrenz ist groß und die Leute sind meist ehrgeizig.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

 

 
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