Richard Z., 41 Bitte nennen Sie uns Ihren Beruf: Internationaler Vertriebsleiter eines führenden, global operierenden Automobilzulieferers
Bitte skizzieren Sie uns einen Ihrer typischen Arbeitsalltage: Telefonate: Kommunikation und Koordination über etwa 90 Prozent des Tages. Das heißt, ich kümmere mich im Wesentlichen um das Erwirken von Verständnis für Strategie und Strategieumsetzung, um Führung wie indirekte Führung und Remote Leadership. Das bedeutet, dass die Menschen, die ich steuere überall in Europa leben und arbeiten, wie Zypern, Polen, Norwegen etc. Das Ziel ist das Umsetzen einer einheitlichen Kundenstrategie sowie das Erreichen von Vertriebszielen, wie zum Beispiel Absatz, Umsatz und Profi. Schildern Sie uns die wichtigsten Anforderungen. Was muss man grundsätzlich können? • Kommunikation und im Team arbeiten • Man sollte sich im Laufe seiner beruflichen Laufbahn nicht zu schade für das Detail sein und grundsätzlich bereit, die „Extrameile“ zu gehen • Wichtig ist es, Detailverständnis aufzubauen, um sich später für eine hohe Managementfunktion qualifizieren zu können, wenn man das möchte • Das Geschäftsmodell verstehen, Detailwissen aufbauen, Identifikation und Verständnis für das Unternehmen entwickeln und sich auf einer soliden Basis weiterentwickeln Was für ein Mensch muss man für diesen Beruf sein? Offen, kontaktfreudig, anständig, geradlinig, verlässlich und berechenbar mit einem menschenfreundlichen Charakter. Welche fachlichen, aber auch sozialen Anforderungen werden dafür gebraucht? • Abgeschlossenes Betriebswirtschaftliches Studium • In unserer Branche gibt es wenige Hochakademiker, der Bachelor kann ausreichen • Viel wichtiger: jung anfangen, mit Intelligenz Erfahrungen sammeln • Geschäft grundlegend verstehen, solides Erfahrungswissen aufbauen und dies in Geschäftsentwicklung umsetzen Was reizt Sie besonders an Ihrem Job? Ich arbeite in einem komplexen Marktumfeld und Managementkontext, konkret an der Geschäftssteuerung und -entwicklung, daher wird es nie langweilig. Die Dynamik der Märkte erlebe ich als außerordentlich interessant, nicht zuletzt das Zusammenwachsen der EU-Märkte. Auch wenn es ein altmodisches Sprichwort ist: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“, aber wenn man selbst im positiven Sinne danach lebt und tatsächlich hinter der Firma steht, wird man von ihr in entsprechend verantwortungsvolle Positionen geschickt. Hochinteressant sind die Händler, mit denen ich zusammenarbeite: Sie sind selbst Unternehmer und bestimmen die Dynamik unseres Geschäftes extrem professionell. Davon kann ich immer noch viel lernen. Was ist schwierig und nervt vielleicht manchmal? • Corporate Structures, Global Public Company und die sich daraus ergebenden Corporate Guidelines Das heißt, hier geht es oft um Verfahrensrichtlinien, die die Dynamik behindern, aber dringend notwendig sind, wenn 160.000 Menschen zusammen arbeiten müssen • Komplexe Organisationsstrukturen, wie die Matrixorganisation, das ist meistens kein Spaß Was war bisher Ihre größte Herausforderung? Einen neuen Vertriebskanal im Europäischen Geschäftsbereich im Rahmen der Matrixorganisation neu aufzubauen. Es ging darum, Verantwortung zu zentralisieren, um Koordination zu erwirken und damit vorhandene Organisationsstrukturen massiv einzugrenzen. Implementierung neuer Preiskonzepte sollte dazu dienen, den Preiskampf zu reduzieren. Der ungewollte, unkontrollierte Warentransfer sollte damit gestoppt werden. Bitte beschreiben Sie uns kurz Ihren persönlichen Werdegang. Nach dem Abitur leistete ich zwei Jahre Militärdienst bei der Bundeswehr und machte die Ausbildung zum Reserveoffizier. Anschließend begann ich das Berufsakademiestudium der Betriebswirtschaftslehre in Kombination mit eben dem Automobilzulieferer, bei dem ich nach wie vor tätig bin. Meine innerbetriebliche Laufbahn vollzog sich wie folgt: • 2 Jahre Verkaufsaußendienst, schließlich regionaler Vertriebsleiter in Leipzig • 3 Jahre Key- Account- Manager • 4 Jahre Market Demand Manager Leiter Logistik, Planung und Auftragshandling für Deutschland, Österreich und die Schweiz • 4 Jahre Internationaler Sales Developement Manager • 4 Jahre Sales Manager für Internationale Einzelhändler • Und heute Internationaler Vertriebsleiter des selben Unternehmens Wie sind Sie auf Ihren Beruf gekommen? Durch die Affinität zur Automobilindustrie. Außerdem war es für mich immer wichtig, Theorie und Praxis zu kombinieren und die Theorie schnell anfassbar zu machen. Warum haben Sie sich dafür entschieden? Die Firma hat mich kontinuierlich in verantwortungsvolle Positionen gebracht, so erschien mir mein Werdegang schon fast kurzweilig. Die Wechsel gingen immer mit einem Verantwortungsanstieg einher und so passten wir von beiden Seiten zusammen. Was sind die nächsten geplanten Karriereschritte? Mit Markt-, Organisations- und Geschäftswissen stelle ich mich weiterhin breit auf. Den Bedürfnissen des Marktes stelle ich mich, um meine Position zu festigen. Wenn das funktioniert, kommt mit Glück ein nächster Schritt nach oben oder Seite. Was würden Sie jungen Menschen in Hinblick auf Praktika, Ausbildung und Studium empfehlen? Bei der akademischen Ausbildung entscheidet selbst, ob mit oder ohne Master, aber baut viel internationales Wissen auf. Das heißt nicht nur für Europa, sondern auch weltweit. Seid offen für andere Kulturen und anpassungsfähig. Absolviert einen Teil Eures Studiums im Ausland und seid mindestens zweisprachig. Zeigt Einsatzbereitschaft und lernt auch Härte gegen Euch selbst aufzubringen. Das bringt Euch weiter! Welche Chancen bietet Ihr Beruf in Zukunft? Welche Herausforderungen oder Veränderungen sind zu erwarten? Setzt Euch intensiv mit anderen Kulturen auseinander. Seid exzellent in der Selbstorganisation, das Geschäft wird immer schneller! Organisiert Euch Ruhezeiten und Freiräume, regelt Euch selbst, um das zu erreichen, was Euer Ziel ist. Und noch etwas: Übernehmt die Verantwortung für die eigene Familie. Langfristig! Setzt Kinder in die Welt. Dabei lernt Ihr Grundsätzliches über Menschenführung. Dabei signalisiert ihr Verantwortung zu tragen – für euch und andere. Dies stellt im Grunde eine dauernde Ausbildung dar, die ihr euch selbst gebt. Vielen Dank für das Gespräch!
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