Gymnasiallehrer

 

Michael P., 44 Jahre, München


Bitte nennen Sie uns Ihren Beruf:
Gymnasiallehrer in den Fächern Mathematik, Physik und Informatik

Bitte skizzieren Sie uns einen Ihrer typischen Arbeitsalltage:
Um 6.30 Uhr beginnt mein Tag. Unterrichtsbeginn ist 8.00 Uhr. Täglich sind etwa 5 Mal 45 Minuten Unterricht zu halten. Dazu kommen Aufsichten,  Vorbereitungen in der Physiksammlung und einmal in der Woche eine Sprechstunde. Gegen 14 Uhr komme ich nach Hause. Gegen 16 Uhr beginnt die Arbeit am Schreibtisch. Unterrichtsvorbereitung, Korrektur von Klassenarbeiten und Emailverkehr sind die wesentlichen Tätigkeiten. Etwa um 19 Uhr bin ich gewöhnlich mit der Arbeit fertig.

Schildern Sie uns die wichtigsten Anforderungen.
Was muss man können?

Natürlich muss man seine Fächer beherrschen. Am besten ist es, wenn man sich wirklich für seine Fächer interessiert, weil nur dann ein Funken auf die Schüler überspringen kann.

Was für ein Mensch muss man für diesen Beruf sein?
Man braucht viel Geduld, am besten eine natürliche Autorität, die einen entspannten Unterricht ermöglicht.

Welche fachlichen, aber auch sozialen Anforderungen werden dafür gebraucht?
Das fachliche ist weit unter dem Niveau, wie es an der Universität vermittelt wird. Man braucht Talent dazu, das komplizierte einfach und anschaulich darzustellen. Vom sozialen muss man sich gut in andere Menschen hineinversetzen können. Was einem selber klar ist, muss dem Gegenüber noch lange nicht klar sein. Außerdem arbeitet man im Team in einem Kollegium.

Was reizt Sie besonders an Ihrem Job?
Ich arbeite gerne mit jungen Menschen zusammen. Richtig begeistern kann ich mich für meinen Beruf, wenn ich spüre, dass sich meine Schüler wirklich für die Inhalte im Unterricht interessieren und mich mit entsprechenden Fragen herausfordern.

Was ist schwierig und nervt vielleicht manchmal?
Schwierig ist es für mich, wenn Schüler sich ausklinken und nur die Zeit absitzen. Dann ist mir meine Zeit eigentlich zu schade.

Was war bisher Ihre größte Herausforderung?
Jeder Tag stellt eine Herausforderung dar. Die vielleicht größte Herausforderung ist es vielleicht, über die Jahre seine Begeisterung aufrechtzuerhalten. Die Schüler verlassen die Schule nach 8 Jahren, es kommen immer wieder neue Schüler nach. An diesem Hamsterrad kann man scheitern.

Bitte beschreiben Sie uns kurz Ihren persönlichen Werdegang.
Wie sind Sie auf Ihren Beruf gekommen?
Ich studierte Physik an der Technischen Universität München. Zur Aufbesserung meines Budgets, habe ich viel Nachhilfeunterricht gegeben. Dabei fiel die Entscheidung nach dem Diplom in Physik mit dem Lehramt für Mathematik und Physik weiterzustudieren.

Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Mir war die Arbeit mit jungen Menschen wichtiger als die Arbeit in einem Labor der Universität.

Was sind die nächsten geplanten Karriereschritte?
Karriere steht in der Schule weniger im Mittelpunkt. Ich führe die Dienstbezeichnung Oberstudienrat. Eventuell werde ich bis zu meiner Pension noch einmal befördert zum Studiendirektor. Dazu müsste ich in meiner jetzigen Schule Verantwortung zum Beispiel in der Fachleitung übernehmen. Da diese Positionen derzeit jedoch nicht vakant sind, setzte ich meine Kräfte an anderer Stelle ein.

Was würden Sie jungen Menschen in Hinblick auf Praktika, Ausbildung und Studium empfehlen?
Unbedingt sollte man vor dem Studium seine Eignung für den Beruf überprüfen. Dazu werden Praktika an Schulen angeboten, in denen man auch mal Unterrichtsversuche abhalten kann, wenn man sich darum bemüht. Das fachliche ist in der Schule für die Lehrer meist nicht das Problem. Die mangelnde Eignung zeigt sich eher im Sozialen.

Welche Chancen bietet Ihr  Beruf in Zukunft?
Welche Herausforderungen oder Veränderungen sind zu erwarten?
Sicherlich wird sich das Berufsbild des Lehrers weiter verändern. In gewisser Weise spiegelt es die Entwicklung der Gesellschaft wieder. Man erinnere sich an die Liberalisierung in den 70-er Jahren, die aus den politischen Umwälzungen Ende der 60-er Jahre hervorgegangen ist. Welches sind heute die maßgeblichen gesellschaftlichen Entwicklungen? Das Internet spielt sicherlich eine große Rolle. Wie verändert dieses unsere Vorstellung von Wissen, wenn doch jede Frage "gegoogelt" werden kann? Unser Berufsbild wandelt sich wohl auch dahingehend, dass wir einen Lernprozess eher moderieren und wir uns als Person etwas zurücknehmen. Dadurch erziehen wir unsere Kinder zu mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortung. Jeder Lehrer muss jedoch auch seinen eigenen Weg finden, auf dem er am Besten sein Wissen vermitteln kann.
Ratsam ist es, in seiner Laufbahn auch mal die Schule zu wechseln, da ein neues Umfeld anregend wirkt.

Vielen Dank für das Gespräch!

 
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