Ann K., 45 Jahre, München Bitte nennen Sie uns Ihren Beruf: Als Coach und Trainerin unterstütze ich Menschen, beruflich den „Ort“ zu finden, an dem sie „richtig“ sind und im Beruf den vielfältigen Anforderungen gerecht zu werden. Oft geht es um schwierige, kritische Situationen, in denen die Person nicht mehr alleine weiter kommt. Es ist auch möglich, dass ein Unternehmen einen Coach beauftragt bzw. einen „Hauscoach“ hat, um interne Probleme zu lösen, die Arbeitssituation zu verbessern oder den/die Mitarbeiter/innen zu coachen er/sie Schwierigkeiten hat (oder Schwierigkeiten macht). Da Coaching als Individualmaßnahme teurer ist als ein Seminar, an dem mehrere Personen teilnehmen können, wurde Coaching lange Zeit als Instrument der Personalentwicklung den Führungskräften vorbehalten; zunehmend wird Coaching aber auch von anderen Personenkreisen wahrgenommen. Coaching gibt es als Einzel-, Gruppen- oder Teamcoaching. Als Trainerin arbeite ich mit größeren und kleineren Gruppen und vermittle ihnen im intensiven Austausch und mit Übungen Wissen bzw. ermutige sie, neue Lösungswege für ihre Situation auszuprobieren. Nur ganz wenige Coaches können vom Coaching alleine leben; viele verbinden daher diese Tätigkeiten mit einem zweiten „Standbein“, oftmals mit der Arbeit als Trainer/in. Bitte skizzieren Sie uns einen Ihrer typischen Arbeitstage: Coaches und Trainer arbeiten in der Regel als Selbständige, das heißt, dass sie ihre eigenen Aufträge akquirieren müssen. Daher ist anfangs ein Großteil der Arbeit das Finden von neuen Kunden bzw. die Selbstvermarktung. Erst im Lauf der Zeit – und vorausgesetzt die Arbeit war gut – kommen immer mehr Aufträge über Empfehlung und die Akquise wird weniger. Ein typischer Alltag besteht somit aus der eigentlichen Arbeit als Coach (z.B. also im intensiven Zweiergespräch), der Ansprache von Firmen und Organisationen. Manchmal müssen auch Berichte und Dokumentationen geschrieben werden. Als Trainerin muss ich Angebote schreiben, die Seminarkonzepte erstellen und dann das Seminar – oder den Vortrag – ausarbeiten. Trainings finden oft in Seminarhotels statt und an mehreren Tagen hintereinander, das heißt, dass man viel unterwegs ist und sehr unregelmäßige Arbeitszeiten hat. Schildern Sie uns die wichtigsten Anforderungen: Was muss man können? Man sollte gut zuhören können und möglichst wenig Vorurteile Menschen gegenüber haben, damit man offen für die jeweilige Person und Situation sein kann. Da kann es hilfreich sein, Spaß an Selbsterfahrung zu haben, damit man auch sieht, wo man selber vorschnell ist oder Scheuklappen hat. Diese Offenheit und der Kontakt zu ganz unterschiedlichen Menschen macht mir persönlich besonders viel Spaß. Fachlich liegt Coaching zwischen Therapie und Managementlehre: Man sollte wissen, wie Menschen reagieren, was sie brauchen und wie sie empfinden – aber man muss sich auch mit der Arbeitswelt auskennen und wissen, wie die Arbeitsanforderungen sind, also „unternehmerisch“ denken. Für die Arbeit als Coach lernt man in der Ausbildung verschiedene Methoden, die einem bei der Arbeit „Handwerkszeug“ für bestimmte Situationen an die Hand geben. Und man muss gerne lernen und sich immer weiter bilden: Was sind derzeit die Themen und was gibt es für neuen Methoden oder Tendenzen. Nur so bleibt man offen für Neues. Als Trainerin muss man sich trauen, vor einer Gruppe zu stehen, eine gewisse Autorität haben – und Spaß an der Unberechenbarkeit von Situationen haben. Denn bei der Arbeit mit (vielen) Menschen, ist jede Situation anders und nie ganz planbar. Was für ein Mensch muss man für Ihren Beruf sein? Man muss Menschen gerne mögen und geduldig sein, einfühlsam sein und Verständnis für als schwierig erlebte Situationen haben. Welche fachlichen aber auch sozialen Anforderungen werden dafür gebraucht? Als Coach sind viele introvertiert, das heißt eher ruhig und zurückhaltend. Bei der Arbeit mit dem Management wird auch oft Durchsetzungskraft gefordert, denn manche Menschen mit Macht wollen gerne jemanden haben, den sie als starken Widerpart hernehmen können. Als Trainerin und auch bei der Akquise von Neukunden fürs Coaching muss man nach außen gehen können und sich präsentieren bzw. im Mittelpunkt stehen wollen/können, also extrovertiert sein. Wichtig ist, sich zurück nehmen zu können: Im Zentrum steht der Erfolg meines Kunden. Und als Coach unterliege ich der Verschwiegenheit. Was reizt Sie besonders an Ihrem Beruf? Besonders schön finde ich es, Menschen dabei zu unterstützen, mutig und selbstbewusst ihre Situation anzugehen und den nächsten Schritt zu finden und ihn dann auch zu gehen. Spannend finde ich, dass jeder ganz individuell ist und die Arbeit so jedes Mal anders aussehen muss. Ich mag mich sehr gerne auf die Person mir gegenüber einstellen. Für mich ist der intensive Austausch mit meinen Kunden – sowohl im Coaching als auch im Seminar – sehr wichtig. Wenn es mir gelingt, bei der Arbeit an die Kernfrage zu kommen (die meist hinter dem offensichtlichen Problem steht), einen Rahmen zu schaffen, der Offenheit ermöglicht für das Herangehen an die „Achillesferse“ und für das Suchen nach ganz neuen Lösungen, dann ist das für mich der größte Erfolg und macht mir riesige Freude. Und für den Kunden (oft Coachee genannt) ist die Umsetzung dann gar nicht mehr so schwierig. Was ist schwierig und stört vielleicht manchmal? Es ist sehr viel Arbeit rund um die eigentliche Arbeit als Coach und Trainerin, also Akquise, Organisation, Erstellen von Unterlagen, Werbung, Buchhaltung. Das muss man alles tun, um zur eigentlichen Arbeit zu kommen. Zum Glück macht mir dies auch sehr viel Spaß. Was war bisher Ihre größte Herausforderung? Die Teilnahme an einem Assessment-Center. Ich hatte mich als Coach bei einem Beratungsunternehmen beworben. Leider wusste ich da nicht, dass sie nicht zwischen Coaches und Trainern unterscheiden: Ich bin also in ein Bewerbungsverfahren für Managementtrainer gekommen und es ging darum, Personen auf der Geschäftsleitungsebene zu überzeugen – das ist aber gar nicht mein Fall: Ich bin selber eher zurückhaltend und introvertiert, außerdem möchte ich niemanden überzeugen, sondern zusammen mit der Person eine Lösung „gewinnen“. Das passte gar nicht zusammen. Erst Tage später habe ich verstanden, warum ich so „falsch“ lag: Die hatten mich komplett falsch ausgesucht. Inzwischen weiß ich, wo ich mich selber positioniere, mit wem ich zusammen arbeiten möchte und wo ich meine Kunden finde, aber am Anfang war das sehr schwierig. Bitte beschreiben Sie kurz Ihren beruflichen Werdegang: Abitur Goldschmiedeausbildung (ein 3-jähriger Umweg) Studium: Neuere deutsche Literatur, Psychologie, Philosophie (Magistra Artium) Fortbildung (während des Studiums): Bildungsmanagement Berufseinstieg: Kommunikationsreferentin (PR und Marketing) Laufbahn: Büroleitung, Managerin Kunden und Personal Weitere Fortbildungen: Personalwesen, Personalentwicklung, Führungsseminare, Systemische Coachingausbildung, Psychologische und therapeutische Kurse, Selbsterfahrung und Gruppenleitung Wie sind Sie auf den Beruf gekommen? Über eine ganz aktive Suche nach einem Berufsfeld, in dem ich mein Interesse (die intensive Zusammenarbeit mit und für Menschen) und mein Können (Zuhören, Geduld, Lösungsorientierung, Verständnis für Konflikte und Probleme) einbringen kann. Außerdem war es mir sehr wichtig, dass ich die Arbeit sinnvoll finde. Warum haben Sie sich dafür entschieden? Weil ich hier meine Erfahrungen und meine Stärken einbringen kann – die Tätigkeit liegt mir besonders und macht mir großen Spaß. Und es ist mir sehr wichtig, dass ich Menschen dabei helfen kann, ihren Weg (leichter) zu gehen. Was sind die nächsten geplanten Karriereschritte? Ab diesem Winter werde ich an einer Hochschule Vorlesungen (mit Übungen) für Studierende zum Thema Selbstmarketing anbieten. Sehr gerne möchte ich noch mehr mit jungen Menschen arbeiten. Die Arbeit an der Hochschule (Kombination von Theorie und Übung) ist neben der praktischen Arbeit als Coach noch mein Traum. Was würden Sie jungen Menschen empfehlen? Es gibt inzwischen neue Studiengänge für Coaching. Der Beruf Coach wird immer und etablierter. Der Arbeitsbereich wird dann Personalentwicklung, Change Management, Beratung etc. sein. Unbedingt Studieninhalte vergleichen. Praktika im Bereich Training, Supervision, Moderation, Personal, Personal-, Organisationsentwicklung, Change Management oder anderen Managementbereichen sind immer sinnvoll. Auslandsaufenthalte sind nicht zwingend erforderlich – aber auch im Coaching kommen viele Trends aus den USA. Sprache ist ein zentrales Organ im Coaching – für die Arbeit in internationalen Unternehmen und mit internationalen Belegschaften ist ein Auslandsaufenthalt hilfreich. Eine Überlegung sollte gemacht sein, bevor die Schüler sich für diesen Weg entscheiden? Und zwar die, dass es eine Alternative gibt: Psychologie zu studieren, mit dem Schwerpunkt Personalentwicklung oder Arbeits- und Organisationspsychologie. Mein Tipp: man sollte sich nicht zu früh Spezialisieren. Welche Chancen bietet der Beruf in Zukunft? Welche Herausforderungen oder Veränderungen? Die Nachfrage nach Coaching wird immer größer – damit verliert Coaching aber auch viel von seiner „Exotik“ (und wahrscheinlich fallen auch die bezahlten Honorare damit kleiner aus). In Konzernen wird es zunehmend Stellen für Coaches, Personal- und Organisationsentwickler geben; aber die Vielzahl der Coaches wird frei arbeiten. Viele Coaches können bislang von Coaching alleine nicht leben, sondern kombinieren es mit anderen Beratungsangeboten; hier sollte man also aufmerksam sein. Bislang ist die Berufsbezeichnung Coach nicht geschützt, das heißt, jede/r kann sich Coach nennen. Dies wird sich sicherlich bald ändern. Darum unbedingt eine sehr gute Ausbildung an einem renommierten Institut oder einer guten Hochschule absolvieren. Da ist man dann sowohl qualitativ als auch in Hinblick auf die Zukunft auf der sicheren Seite. Wir danken für das Gespräch!
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