Buchhändlerin

Claudia B., 40, aus Berlin

 

Bitte nennen Sie uns Ihren Beruf:
Ich bin Buchhändlerin in einer Fachbuchhandlung für Kunst und Architektur.

Bitte skizzieren Sie uns einen Ihrer typischen Arbeitsalltage:
Der Tag beginnt mit dem Herrichten des Ladens für den bevorstehenden Verkaufstag. Neu angekommene, bestellte  Bücher kommen aus der Bestellabteilung in den Laden und werden dort in die Systematik der Buchhandlung einsortiert. Über den Tag hinweg erfolgen vor allem Kundenberatungen, Aufnehmen von Bestellungen und die permanente Kontrolle über den Laden.
Zweimal pro Jahr reisen die Vertreter der Verlage und informieren über die Neuerscheinungen, was fast immer sehr spannend ist.
Zu den herausragenden Ereignissen gehören das Organisieren, Durchführen und Nachbereiten von Lesungen und Veranstaltungen in der Buchhandlung oder mit Kooperationspartnern.

Schildern Sie uns die wichtigsten Anforderungen.
Was muss man grundsätzlich können?

Wichtig ist eine sehr gute Kenntnis der Verlagsprofile und der Titel der erscheinenden Bücher, außerdem ein gutes Gedächtnis. Eine natürliche Neugier auf alles ist wunderbar, ebenso wie eine gewisse Menschenkenntnis.

Was für ein Mensch muss man für diesen Beruf sein?
Man sollte natürlich gerne lesen, den Umgang mit Menschen mögen und stressresistent sein. Eine besondere Qualität ist es immer freundlich, fachlich präsent und zuvorkommend sein zu können, auch während des Hochbetriebes, zum Beispiel im Weihnachtsgeschäft.

Welche fachlichen, aber auch sozialen Anforderungen werden dafür gebraucht?
•    Abgeschlossene Ausbildung zum Buchhändler/in
(= Kaufmannsgehilfenbrief, Abschluss an der IHK)
•    Berufserfahrung erwünscht
•    Praktika gerne gesehen
•    Sprachkenntnisse Englisch/Französisch von Vorteil
•    Angenehme Umgangsformen
•    Spaß an der Kundenberatung
•    Die Vorgänge des Warenein- und ausgangs, inklusive der Preiskalkulation ausländischer Bücher und Kataloge
•    Aufbau thematischer Büchertische
•    Die Anwendung des Computers sollte selbstverständlich sein, ebenso die der  einschlägigen Software-Programme
•    Eine schöne Ergänzung ist die Ausbildereignungsprüfung
•    Ideal der regelmäßige Besuch der Frankfurter Buchmesse

Was reizt Sie besonders an Ihrem Job?
Ich liebe Bücher und solche Menschen, denen es ebenso geht. Durch die ständigen Neuerscheinungen der Verlage gibt es immer Neues.
In diesem Beruf spürt man den Zeitgeist deutlich: durch die thematischen Schwerpunkte der Verlagserzeugnisse und die Kundenanfragen.

Was ist schwierig und nervt vielleicht manchmal?
Die Arbeit als Buchhändler/in ist neben allen Vorzügen meistens anstrengend. Man muss immer wieder Bücher tragen und das geht auf die Dauer in den Rücken. Leider ist der Beruf nicht sehr gut bezahlt.

Was war bisher Ihre größte Herausforderung?
In unserer Buchhandlung habe ich eine sehr interessante, prominente Autorin eingeladen, um mit Ihr eine Lesung in der Buchhandlung zu veranstalten. Da sie terminlich stark beansprucht ist, war nicht klar, ob sie kommen würde. Aber sie sagte schnell zu und ich bereitete den Abend mit Hilfe einer Kollegin vor. Die Lesung und anschließende Fragerunde waren ein voller Erfolg, der Absatz ihrer Bücher an dem Abend überwältigend: alle für die Veranstaltung ausgelegten Bücherstapel waren ausverkauft und wir hatten eine Menge Vorbestellungen. Die Buchhandlung war bis in den letzten Winkel mit Besuchern gefüllt und alle waren begeistert.

Bitte beschreiben Sie uns kurz Ihren persönlichen Werdegang.
Wie sind Sie auf Ihren Beruf gekommen?
Im Jahr vor dem Abitur habe ich ein Praktikum in einer Buchhandlung in Bonn gemacht. Das hat mir derartig viel Freude bereitet, dass ich mich entschloss, mich um eine Ausbildungsstelle zu bewerben.

Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Ich habe in einer Fachbuchhandlung für Kunst und Architektur gelernt. Genau diese thematische Ausrichtung hatte ich angestrebt und liebe diesen Beruf bis heute.

Was sind die nächsten geplanten Karriereschritte?
Ich strebe an, in absehbarer Zeit Filialleiterin einer Buchhandlung zu werden.

Was würden Sie jungen Menschen in Hinblick auf Praktika, Ausbildung und Studium empfehlen?
Praktika sind für den persönlichen Check super. Einfach ausprobieren.
Bei der Ausbildung unbedingt beachten: Immer von den Besten lernen!
Studium nicht notwendig, macht aber in jedem Fall Spaß.

Welche Chancen bietet Ihr  Beruf in Zukunft?
Welche Herausforderungen oder Veränderungen sind zu erwarten?
Die Buchhandelsbranche befindet sich in einem besonderen Wandel. Die Neuen Medien stellen das Medium Buch auf den Prüfstand und so müssen sich der Herstellende wie der Vertreibende Buchhandel darauf ausrichten.  Folglich gibt es seit August 2011 die Ausbildung für den Buchhändler/in in modernisierter Form. Diese flexiblere Ausbildung kann künftig leichter angepasst werden, um Veränderungen in der Ausbildungspraxis sowie in der Branche aufzunehmen.
Das ist von entscheidender Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der Branche und in der Lehre für den Nachwuchs daher besonders wichtig.

Wir danken für das Gespräch!

 
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